Beispielsweise Winrar. Die Einzelplatzlizenz für die liebgewonnene Packsoftware kostet seit mindestens einem Vierteljahrhundert 29 US-Dollar. Ohne Aufschlag, ohne Anpassung. Wenn die Nutzer denn überhaupt zahlen. So genau nehmen es die Entwickler bekanntermassen nicht mit Kaufaufforderungen oder etwaigen Funktionseinschränkungen selbst nach zehnjährigem Testbetrieb.
Und dann gibt es Microsoft. Während Winrar seit über 25 Jahren denselben Preis verlangt, kennt die Kostenkurve in Redmond offenbar nur eine Richtung. Seit Anfang Oktober sind für bestimmte CSP-Softwareabonnements fünf Prozent zusätzlich fällig. Es ist nicht der erste Aufschlag in diesem Jahr. Bereits im Juli verteuerte der Konzern zahlreiche Microsoft-365-Abonnements, rund ein Jahr nach ähnlichen Anpassungen für Produkte wie M365, Teams Phone und Power BI.
Regelmässige Preiserhöhungen scheinen in Redmond also mittlerweile zum Geschäftsmodell zu gehören. Microsoft begründet diese Schritte unter anderem mit höheren Investitionen in Security und neuen Funktionen wie Copilot beziehungsweise allgemein Künstliche Intelligenz. Das ist nicht verwerflich. Problematisch wird es jedoch, wenn die Kunden kaum eine Wahl haben und immer und immer mehr für ein nur selten voll ausgereiztes Leistungsspektrum zahlen sollen.
Wer jedoch einen grossen Teil seiner IT-Landschaft auf Microsoft 365, Azure, Teams und andere MS-Dienste ausgerichtet hat, kann nicht einfach wechseln, selbst, wenn die nächste Preiserhöhung ins Haus flattert. Die Gefahr besteht in der Abhängigkeit: Der Anbieter bestimmt die Regeln, der Endanwender muss bezahlen – und mittendrin befindet sich der IT-Dienstleister. Er darf seinen Kunden regelmässig erklären, weshalb sie für bestehende Leistungen plötzlich mehr auf den Tisch legen sollen.
Dabei verlangt selbstverständlich niemand, Microsoft den Rücken zu kehren. Das wäre weder sinnvoll noch realistisch. Gleichzeitig sollte es aber Aufgabe eines unabhängigen IT-Dienstleisters sein, seinen Kunden (und auch sich selbst) Alternativen aufzuzeigen und ihnen Raum im Portfolio zu schaffen. Denn Alternativen gibt es. So untermauerte Infomaniak-Chef Marc Oehler erst jüngst in einem Interview zum angepeilten Börsengang: «Die Vorstellung, Microsoft sei der einzige Anbieter umfassender Kollaborationstools, ist ein Mythos». Eine Kampfansage an Redmond. OpenDesk-Entwickler ZenDiS öffnet sich mit einem dedizierten Partnerprogramm ebenfalls weiter für den Channel und mit dem Ruf nach digitaler Souveränität erhalten Schweizer Cloud-Provider aktuell Rückenwind (mehr lesen Sie im Fokusthema dieser Ausgabe). Wettbewerbsfähige Alternativen gibt es also. Aber IT-Dienstleister müssen auch bereit sein, ihre eigenen Portfolioabhängigkeiten zu hinterfragen und so auch ihren Kunden mehr Wahlfreiheit ermöglichen.