HPE bei Juniper-Integration 'on Track'
Quelle: HPE

HPE bei Juniper-Integration "on Track"

HPE macht auch in der Schweiz grosse Fortschritte dabei, die Teams von Aruba und Juniper ­zusammenzuführen. Das schafft für den Channel neue Potenziale im Networking-Bereich. Ein weiterer Business-Treiber bleibt für den IT-Riesen das Thema KI.
30. März 2026

   

Im vergangenen Juli hat HPE die 14-Milliarden-­Dollar-Übernahme von Juniper abgeschlossen und in Verzahnung mit Aruba (seit 2015 Teil von HPE) ein wahres Schwergewicht im weltweiten Networking-Markt geschaffen – mit einem in Breite und Tiefe stark aufgestellten Portfolio, das es auch mit den grössten Playern des Segments aufnehmen kann. Das Potenzial ist fraglos beachtlich. "HPE und Juniper haben die einmalige Gelegenheit, die Netzwerkbranche zum wichtigsten und relevantesten Zeitpunkt grundlegend zu verändern", erklärte im vergangenen Jahr Rami Rahim, ehemaliger CEO von Juniper Networks, der nun das fusionierte HPE Networking-Geschäft leiten wird.


Eine Integration dieser Grössenordnung benötigt jedoch Zeit und geht mit so manchen potenziellen Stolpersteinen einher. Bei HPE scheint der Prozess jedoch trotz der Dimensionen zügig voranzuschreiten, wie Beat Sommerhalder im Rahmen einer Gesprächsrunde mit der Schweizer HPE-Führungsriege bestätigte. Laut dem Country Sales Manager HPE Networking wurden die Schweizer Teams bereits Anfang November 2025 zusammengelegt, die Mitarbeiterzahl des Produktbereichs ist hierzulande auf einen Schlag um rund 25 Prozent gewachsen. Gleichzeitig hat auch das Vertriebsnetzwerk profitiert. Heute vertreiben in Kombination rund 450 bis 500 Schweizer Partner die Netzwerkprodukte des Anbieters.

"Cross Pollination" der Technologien

Aber vor allem auch technologisch hat HPE durch die Übernahme hinzugewonnen. Speziell bei WAN sowie im Bereich Netzwerkautomatisierung und -management auf Grundlage von Junipers KI-zentrierten Lösungen Mist und Marvis. Künstliche Intelligenz ist dabei nicht nur Produkt, sondern gleichzeitig Business-Katalysator für den Hersteller. Der zunehmende Einsatz der Technologie auf Anwenderseite sorgt für mehr Traffic in den Unternehmen und somit steigende Anforderungen an Infrastruktur und Systeme. Ziel ist laut Sommerhalder, für diese anspruchsvoller werdenden Szenarien ein "360-Grad-Portfolio from Edge to Cloud" bereitzustellen, in dem Plattformen wie Arubas Central und Junipers Marvis zwar nebeneinander bestehen, aber zusehends Ideen, Impulse und Funktionen austauschen. Der Country Sales Manager spricht in diesem Kontext von "Cross Polination", also einer gegenseitigen Befruchtung der Technologien.


Die zusammengelegten Teams agieren dabei übergreifend. "Wir wollen ein harmonisiertes Team. Das war mir von Anfang an ein Anliegen", erklärt Sommerhalder. Partnern und Endkunden steht somit jeweils ein zentraler Ansprechpartner bei HPE zur Seite, der sowohl zu Aruba- als auch Juniper-Themen berät. Das soll dem 360-Grad-Anspruch gerecht werden und Portfoliosynergien ausschöpfen. Partnern verspricht Sommerhalder infolge der Zusammenlegung wiederum "mehr Wertschöpfung und mehr Services – auch für uns natürlich". Zudem vergrössert sich der adressierbare Markt durch das deutlich gewachsene Produktport­folio. Um dieses erfolgreich zu den Kunden zu bringen, ist jedoch die Entwicklung des Channels unabdingbar. Es gilt, Aruba-Partner für Juniper-Themen, Juniper-Partner wiederum für Aruba-Produkte fit zu machen. Zudem arbeitet HPE daran, sukzessive die separaten Partnerprogramme zusammenzulegen, um auch die strukturelle Basis zu vereinheitlichen. Gleichzeitig kommen stetig neue Partner hinzu, das Interesse nach der Übernahme ist laut dem Sales Manager gross. "In Summe sind wir sehr gut unterwegs, auch wenn es noch viel zu tun gibt. Wir sind auf jeden Fall on Track."

Kein HPE-only-Ansatz

Künstliche Intelligenz ist für HPE aber nicht nur im Networking-Bereich ein zentrales Thema. Gerade auch das Server- sowie das Hybrid-Cloud-Geschäft rund um Greenlake profitieren in der Schweiz von einer hohen Nachfrage. Laut aktuellen Zahlen importiere HPE hierzulande ebenso viele KI-Server wie in Deutschland, berichtet René Zierler (Bild), Managing Director HPE Schweiz, nicht ohne Stolz. Diese Daten könnten durchaus als Benchmark für das hohe Interesse an KI auch im Mittelstand herangezogen werden, während erste spannende Use Cases die Praxistauglichkeit belegen. Zierler nennt Klein Computer aus Volketswil als Beispiel für einen mittelständischen Partner, der die Technologie bereits erfolgreich einsetzt. Einerseits als Unterstützung im eigenen Support, andererseits als Lösung für Kunden auf Basis der HPE Private Cloud AI-Plattform.

Private- und Hybrid-Cloud-Strukturen kommt in diesem Kontext ohnehin eine wichtige Rolle zu, wie Roger Mafli, seit Ende 2025 Chief Technologist bei HPE Schweiz und Nachfolger von Martin Casaulta, unterstreicht. Zwar würden die ersten explorativen KI-Schritte meist in der Public Cloud stattfinden, wenn Lösungen aber Form annehmen, würden stattdessen Unabhängigkeit und digitale Souveränität immer stärker in den Fokus rücken – und damit der Private- und Hybrid-Cloud-Betrieb. "Souveränität ist Wahlfreiheit. Und das wollen wir für unsere Kunden", so Mafli. Das bedeute auch, dass sich der Hersteller nicht in einer HPE-only-Welt bewege und es Kunden jederzeit ermöglichen wolle, die Lösungen verschiedener Anbieter hürdenlos zu verknüpfen. Heterogene Systeme seien im Markt schliesslich Normalität.


Ein Beispiel für diesen technologieagnostischen Ansatz ist der im vergangenen Jahr lancierte Hypervisor HPE VM Essentials auf Grundlage der Software der 2024 übernommenen Morpheus Data. Zu Beginn noch als reine Alternative zum VMware-Angebot angekündigt, um wechselwilligen Partnern und Endkunden eine eigene Option offerieren zu können, erfreut sich der Hypervisor von HPE laut Mafli mittlerweile einer stetig wachsenden Nachfrage. "Und wir testen die Lösung im ersten Schritt mit eigenen Produkten. Darüber hinaus ist bereits erste Hardware von Dritt­anbietern zertifiziert, und laufend kommen weitere Systeme und Hersteller hinzu."

Vorgesorgt für die Komponentenkrise

Als durchaus relevante Geschäftshürde erweist sich für HPE hingegen die aktuelle Komponentenkrise und damit die eingeschränkte Verfügbarkeit besonders von Arbeitsspeicher. "Das ist für uns natürlich ein Thema, auch in der Schweiz", bestätigt Zierler. Im Speziellen der Server-Bereich ist von den Verfügbarkeitsengpässen betroffen, während es im Storage- und Netzwerk-Umfeld kaum Auswirkungen gibt. Aber HPE habe auch hier vorgesorgt und frühzeitig Bestände aufgebaut, berichtet der Managing Director. Zudem betont er, dass man ganz klar sicherstellen wolle, dass bei Engpässen nicht nur zentrale Grosskunden, sondern auch der Mittelstand zuverlässig beliefert wird. Dennoch spürt auch HPE die Effekte der Krise – und kann diese nicht an jeder Stelle auffangen: Dazu gehören laut Zierler Preissteigerungen, die sich nicht immer vermeiden lassen.


Trotz der teils herausfordernden globalen Rahmenbedingungen zeigt sich der Managing Director optimistisch. Die Zahl der Projekte in der Schweiz steige – und das über alle Produktsegmente hinweg. Treiber dieser Entwicklung ist unter anderem die Diskussion rund um digitale Souveränität. Mit Private- und Hybrid-Cloud-Lösungen könne sich HPE auch als US-amerikanischer Hersteller erfolgreich in diesem Kontext positionieren. Wichtigster Hebel bleibt für den IT-Riesen aktuell jedoch Künstliche Intelligenz. Auch für Partner sei das Potenzial enorm, bekräftigt Channel-Chef Serge Bourgnon. "In diesem Umfeld braucht es ganz viel Beratung, es braucht ganz viel Service. Das ist für Partner eine grosse Chance." So würden die Zusatzleistungen rund um KI-Lösungen einen deutlich grösseren Anteil ausmachen als in klassischen IT-Projekten. "Und das Attach-Level ist ebenfalls viel höher als bei reinen Infrastrukturthemen", so Bourgnon. Gleichzeitig brauche es aber auch tiefgreifendes Know-how, das längst noch nicht jeder Partner aufgebaut hat. Doch HPE will, wo möglich, unter die Arme greifen. "Unser Ziel ist es, dem Mittelstand beim Thema KI die Hand zu reichen", unterstreicht René Zierler. (sta)


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