Der globale Smartphone-Markt ist laut dem Marktforschungsunternehmen Omdia mit einem Plus von 1 Prozent im ersten Quartal 2026 stärker gewachsen als erwartet. Dieses Wachstum täuscht aber über die tatsächlichen strukturellen Belastungen hinweg, schlussfolgern die Analysten. Denn der Hintergrund ist vor allem ein Vorziehen von Lagerbeständen in den Vertriebskanal, wodurch die Lieferzahlen kurzfristig gestützt wurden, ohne dass sich darin die realen Marktdynamiken widerspiegeln.
Gleichzeitig verschärft sich aber der Kostendruck aufgrund der Komponentenkrise entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich. Insbesondere Preise für Speicherkomponenten wie DRAM und NAND sind im ersten Quartal um rund 90 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen und dürften im zweiten Quartal nochmals um etwa 30 Prozent zulegen. Diese Entwicklung erhöht die Produktionskosten laut Omdia erheblich, während viele Hersteller Preiserhöhungen im Endkundenmarkt bislang nur teilweise umgesetzt haben. Zusätzliche Unsicherheiten entstehen durch erste Störungen in der Logistik.
"Den Herstellern bleibt kaum eine andere Wahl, als die Preise anzuheben, da der Kostendruck zunimmt", sagt Sanyam Chaurasia, Principal Analyst bei
Omdia. "Zwar finden Preiserhöhungen branchenweit statt, doch sind die Auswirkungen nicht einheitlich. Hersteller mit grösserer Präsenz im Einstiegs- und Mittelklassesegment, wie Xiaomi und Transsion, sind aufgrund geringerer Margen und begrenzter Preissetzungsmacht stärker betroffen." Im Gegensatz dazu habe
Apple seine Preise weitgehend stabil gehalten, während
Samsung einen selektiveren Marktansatz verfolge. "Über die allgemeinen Preiserhöhungen hinaus steuern die Anbieter ihre Margen auch durch Konfigurationsänderungen, reduzierte Werbeaktionen und strengere Preisvorgaben für den Vertrieb. Dies schafft ein komplexeres Preisumfeld, in dem Finanzierungsangebote und Trade-Ins eine grössere Rolle bei der Stützung der Nachfrage spielen."
Für den weiteren Jahresverlauf erwartet Omdia eine zunehmende Belastung des Marktes. Kurzfristig könnten höhere Preise zu einer spürbaren Kaufzurückhaltung führen, da Konsumenten Anschaffungen verschieben. Und die derzeitige Unsicherheit hinsichtlich Verfügbarkeit und Preisentwicklung führt bereits dazu, dass Vertriebspartner ihre Lagerbestände erhöhen. Dies stützt die Auslieferungen zwar vorübergehend, verschiebt jedoch die eigentlichen Probleme lediglich nach hinten. Insgesamt rechnet Omdia damit, dass sich der globale Smartphone-Markt im Jahr 2026 deutlich abschwächt und der Absatz infolge steigender Kosten und makroökonomischer Unsicherheiten um rund 15 Prozent zurückgehen könnte.
(sta)