Der jüngste Hackerangriff auf gleich mehrere französische Supermarktketten hat einmal mehr gezeigt, wie verwundbar zentrale Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge sind. Hacker verschafften sich Zugang zu den Kühlsystemen hunderter Filialen und manipulierten diese so, dass sie heizten anstatt zu kühlen. Wie jeder Heimrouter verfügten auch die betroffenen Kühlanlagen über eine webbasierte Verwaltungsoberfläche, die sie über das Internet erreichbar macht. Laut Medienberichten war diese lediglich durch ein einfaches Standardpasswort geschützt. Die Angreifer drangen ein und regelten die Temperatur auf 50 Grad hoch.
Der Vorfall reiht sich in eine stetig wachsende Zahl von Cyberangriffen ein. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des Security-Anbieters Checkpoint hat sich die Anzahl der wöchentlichen Angriffe auf Schweizer Organisationen gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. Besonders brenzlich wird es, wenn wie in Frankreich Einrichtungen der kritischen Infrastruktur zur Zielscheibe werden. Der Bundesrat will kritische Infrastrukturen, die für Bevölkerung und Wirtschaft essenziell sind, besser gegen Ausfälle aller Art schützen und hat entsprechende Gesetzesentwürfe beauftragt. Auch die wichtigsten elektronischen Daten von Bund, Kantonen und kritischen Infrastrukturen sollen besser gegen Cyberangriffe und Manipulation geschützt werden.
Tatsächlich herrscht bei kritischer Infrastruktur und der sie steuernden Operational Technology (OT) in puncto digitaler Resilienz oft Nachholbedarf. OT-Systeme haben sehr lange Lebenszyklen. 15 bis 30 Jahre sind keine Seltenheit. Gleichzeitig verschmelzen langlebige OT und schnelllebige IT immer stärker miteinander: Wasserwerke, Solarparks oder eben Kühlsysteme in Supermärkten sind immer öfter digital vernetzt. Weil die Übermittlung der Daten häufig über gemeinsam genutzte oder potenziell unsichere öffentliche Netze läuft, müssen Systeme, Anwendungen, Verbindungen und Zugänge konsequent geschützt und Steuerungs-, Status- und Betriebsdaten über den gesamten Übertragungsweg abgesichert werden. Nur so lassen sich unerlaubte Zugriffe und Manipulationen zuverlässig verhindern. Auch die Herkunft der eingesetzten Lösungen spielt in diesem sensiblen Bereich eine zentrale Rolle – Stichwort digitale Souveränität.
Für IT-Integratoren bietet die zunehmende Digitalisierung kritischer Infrastrukturen und deren Cyberresilienz ein neues Betätigungsfeld mit erheblichem Wachstumspotenzial. Die sich verschärfende Bedrohungslage auf der einen und striktere staatliche Regulierung auf der anderen Seite dürften die Nachfrage nach kompetenten Partnern weiter erhöhen. IT-Dienstleister, die sich auf den Einsatz entsprechender IT-, Netzwerk- und Security-Lösungen spezialisieren, können den aktuell hohen Beratungsbedarf für sich nutzen und neue, wiederkehrende Geschäftspotenziale erschliessen.