Die Digitalbranche ist innovativ - trotzdem besteht ­Handlungsbedarf

Die Digitalbranche ist eine treibende Kraft innovativer Entwicklungen, auch in anderen Sektoren. Trotzdem steht die Branche vor strukturellen Hürden: Eine neue Studie zeigt, was die Innovationskraft der Digitalwirtschaft bremst und was sich ändern muss.

Artikel erschienen in IT Reseller 2026/04

   

Die Schweiz trägt den Titel «Innovationsweltmeister» seit Jahren mit Stolz. Doch eine neue Studie, die im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) von FHNW, ETH-KOF, Universität St. Gallen und EPFL erarbeitet wurde, zeichnet ein differenzierteres Bild, wenn es um die Innovationstätigkeit geht. Ein Weckruf, auch für die Digitalbranche. Die ICT-Studie «New Innovation Models in Switzerland», die Anfang März 2026 veröffentlicht wurde, zeigt: Die Digitalbranche ist zwar eine der innovativsten der Schweiz, aber ihre Innovationskraft ist gefährdet.

Starke Zahlen, strukturelle Risiken

Neun von zehn Unternehmen der Digitalbranche sind innovativ. Die Branche unterliegt einem stetigen Wandel und fördert Innovation auch in allen anderen Wirtschaftszweigen. Besonders die Hardware- und Softwareunternehmen stechen hervor: Über 80 Prozent der Hardwarefirmen betreiben intern Forschung und Entwicklung, rund die Hälfte gibt diese auch extern in Auftrag. Die meisten Innovationen sind inkrementeller statt radikaler Natur: Bestehende Produkte oder Prozesse werden schrittweise verbessert, völlig neue Technologien, Märkte oder Geschäftsmodelle sind selten.


Als wichtigste Innovationstreiber nennen die befragten Unternehmen den technologischen Wandel – allen voran servicebasierte Geschäftsmodelle, gefolgt von künstlicher Intelligenz und leistungsfähigerer Hardware. Die hohe Innovationsrate täuscht jedoch über ein strukturelles Problem hinweg: Die Digitalwirtschaft droht, ihren Innovationsvorsprung langfristig zu verlieren, sollten sich nicht gewisse Rahmenbedingungen ändern.

Regulierung als Bremsklotz

Das Thema Regulierung zieht sich wie ein roter Faden durch die Studie: Ob Datenschutz, Produktvorschriften oder Marktregulierungen – die Unternehmen spüren die wachsende Regulierungsdichte. Die Folgen: höhere Kosten, steigender Personalbedarf und Rechtsunsicherheit. KMU trifft das überproportional hart, da ihnen die Ressourcen fehlen, komplexe Re­gulierungsanforderungen gleichwertig zu stemmen wie grosse Konzerne.
Im Telekommunikationssegment sind die Auswirkungen am stärksten: Vier von fünf befragten Unternehmen berichten von erhöhter Unsicherheit, 73 Prozent von gestiegenen Innovationskosten.

Innosuisse geschätzt, aber nicht optimal genutzt

Die öffentliche Innovationsförderung wird im ICT-Bereich insgesamt wenig genutzt. Lediglich 14 Prozent der befragten ICT-Unternehmen haben Fördergelder bezogen, davon 8,5 Prozent über Inno­suisse. Dabei wird die Förderagentur grundsätzlich als verlässliche Partnerin geschätzt. Die Kritik richtet sich weniger gegen die Institution als gegen die Ausgestaltung: fehlende Rückmeldungen bei abgelehnten Gesuchen, zu wenig Unterstützung bei Geschäftsmodellentwicklung und Markteinführung, insbesondere im KI-Bereich. Zudem profitieren laut Studie Beratungsfirmen und Hochschulen überproportional – was zu einer Entkoppelung zwischen akademischer Forschung und privatwirtschaftlicher Innovation führt.

Was die Branche fordert

Die Expertinnen und Experten, die im Rahmen der Delphi-Interviews zur Studie befragt wurden, sind sich in vier Punkten einig:

- Erstens muss Regulierung harmonisiert und innovationsfreundlicher werden – mit prozessbasierten Ansätzen statt starrer Einzelvorschriften.

- Zweitens braucht es einfachere Finanzierungsinstrumente für alle Phasen der Innovation.

- Drittens müssen Kollaborationsökosysteme gestärkt werden – mit niedrigeren Hürden für KMU.

- Viertens ist Talentförderung und Aus- und Weiterbildung ein entscheidender Hebel.

Swico hält fest: Innovationsförderung und Regulierung müssen an die Realität der digitalen Wirtschaft angepasst werden. Ansonsten riskiert die Schweiz, ihren Vorsprung zu verspielen.

Die Autorin

Quelle: Swico
Annika Bos ist Public Affairs Manager bei Swico. Ihre Schwerpunkte liegen in der Politikfeldanalyse und der politischen Kommunikation. Politisch verfolgt sie nebst dem Innovationsthema auch das Thema ­Cybersicherheit und Resilienz intensiv. Swico ist der Wirtschaftsverband der ICT- und Online-­Branche.


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