Firmenkultur bei Ceconet: «Jeder Mitarbeiter greift mit an, wo es nötig ist»
Quelle: Ceconet

Firmenkultur bei Ceconet: «Jeder Mitarbeiter greift mit an, wo es nötig ist»

AV-Distributor Ceconet zeichnet sich als mittelständisches Unternehmen durch kurze Entscheidungswege und hohe Unabhängigkeit aus – und auch im Team zählt Hands-on-­Mentalität.

Artikel erschienen in IT Reseller 2026/09


Der Wunsch nach Entscheidungsfreiheit und Unabhängigkeit ist tief in der DNA und der Gründungsgeschichte von Ceconet verwurzelt. Noch bevor das Mägenwiler Unternehmen im Jahr 2004 aus der Taufe gehoben wurde, arbeiteten zwei der Gründer gemeinsam bei einem ehemaligen Schweizer Distributor (Kontakt Systeme), ein Familienunternehmen, zwar international aufgestellt, aber gleichzeitig geprägt durch klassisch mittelständische Prozesse. Doch dann erfolgte der Verkauf der Firma an einen Konzern – und damit Strukturen, mit denen sich die zwei damaligen Geschäftspartner Peter Bachmann und Urs Kuhn nicht zufriedengeben wollten: «Wir haben die Grosskonzernphilosophie nicht ertragen», berichtete Bachmann 2020 im Interview mit «IT Reseller». Die Folge des Deals: Die beiden Unternehmer zogen die Reissleine, gründeten gemeinsam mit einem dritten Geschäftspartner Ceconet und suchten somit den Weg in die Selbstständigkeit.


«Wenn ich mich mit Kollegen in Grosskonzernen vergleiche, bin ich froh, selbständig zu sein. Klar müssen wir uns an gewisse Vorgaben der Hersteller halten, aber wir können an einem bestimmten Punkt auch Nein sagen», resümierte Bachmann im Gespräch vor sechs Jahren. Und bis heute hat sich an diesem Anspruch wenig geändert. Ceconet ist nach wie vor unabhängig, keine Konzernstrukturen, keine Investoren, keine Banken, die den Distributor im Hintergrund finanzieren. Das Kapital steckt im Unternehmen und Gewinne fliessen in Form von Investitionen wieder in dieses zurück. Das erlaubt Handlungsspielraum, auch ohne die Ressourcen grosser Wettbewerber. «Wir sind gerne KMU. Das Finanzielle stand nie an erster Stelle. Für uns war es hingegen immer wichtig, selbst entscheiden zu können», sagt Bachmann. Das bedeute natürlich auch, Risiken einzugehen und gegebenenfalls einmal falsche Entscheidungen zu treffen. In 22 Jahren habe man sicher Fehler gemacht. Aber daraus habe man gelernt und dieses Wagnis gehöre nun einmal zur Aufgabe eines Unternehmers dazu, so der Ceconet-Geschäftsleiter.

Klar abgestecktes Portfolio

Risikobereitschaft, die sich ausgezahlt hat. Auch ohne grosse Muttergesellschaft oder externe Investoren ist der Distributor über die Jahre stetig gewachsen. Am Standort in Mägenwil vor 20 Jahren noch in einem kleinen Büro gestartet, verfügt Ceconet heute über mehrere Showräume, ein Lager mit mehr als 2000 Quadratmetern Fläche sowie ein Lagervolumen zwischen vier und fünf Millionen Franken. Hier reihen sich Projektoren an Displays, Kameras an Montagelösungen und Kartons voller Kabel. Trotz der Expansion zieht sich die KMU-Mentalität der Gründungsjahre aber nach wie vor durch die gesamte Geschäfts- und Portfoliostrategie. Ceconet will nicht etwa Vollsortimenter mit ausladendem Angebot und Anspruch auf Gesamtheit sein, kein Wachstum um des Wachstums willen, sondern Spezialist für wenige ausgewählte Marken im Audio-, Video- und Telekommunikations-Bereich. Ein Beispiel ist Hersteller Epson, mit dem die Mägenwiler aussergewöhnlich enge Bande haben. «Über 80 Prozent, von dem, was Epson in der Schweiz verkauft, laufen über uns», berichtet Bachmann. «Wir werden daher schon als Epson Schweiz betrachtet.» Ähnliche Partnerschaften gelten für die rund 20 weiteren Marken im Sortiment: Ceconet will für Hersteller nicht ein Distributor unter vielen sein, sondern Schlüsselpartner, und wo möglich Exklusivverträge schliessen, wie zuletzt mit dem US-amerikanischen AV-Anbieter Atlona. Hinzu kommen ein langjähriger, umfangreicher Zuliefer-Vertrag mit der Swisscom sowie das Zubehör-Geschäft unter der Eigenmarke.


Mit dieser Markenstrategie geht ein klares Commitment einher: Distribution ist für Ceconet nicht nur Box Moving. Für Epson beispielsweise übernimmt der VAD in der Schweiz mittlerweile Support- respektive Reparatur-Leistungen. Keine Selbstverständlichkeit bei einem aktuell 18-köpfigen Team, das nur wenig kapazitiven Spielraum lässt. Daher muss jeder anpacken, wo es gerade Bedarf gibt – und es ist nicht aussergewöhnlich, Geschäftsleiter Flavio Bossi mit einem Schraubenzieher am Projektor im Lager des Distributors anzutreffen. «Egal ob Vorgesetzter oder Mitarbeiter: Man darf sich nicht zu schade sein, auch mal wo anders mit anzugreifen, wenn es nötig ist», erklärt Bachmann den «Ceconet Spirit». Das heisst nicht, dass jeder im Team alles können muss. Aber es komme laut dem Geschäftsleiter durchaus vor, dass Mitarbeiter aus der Administration in Stosszeiten Geräte assemblieren. Dieser scheuklappenfreie Ansatz spiegelt sich im Büro in Mägenwil wider. Hier sitzen Verkauf, Technik, Produktmanagement, Logistik und Geschäftsleitung Tür an Tür beziehungsweise Tisch an Tisch und arbeiten eng zusammen. Silos gibt es hier nicht. «Das ist wie im Fussball: Jeder im Team ist als Individuum wichtig, und gleichzeitig muss alles perfekt ineinandergreifen und funktionieren», so Bachmann.

«Rückmeldungen in beide Richtungen»

Sicherlich ist nicht jeder respektive jede für diese Aufgabe mit ausgeprägter Hands-on-Mentalität geschaffen. Auch hier gilt das Mantra: Unabhängigkeit und Entscheidungsfreude gehören auf allen Betriebsebenen mit dazu. Daher sucht Ceconet gezielt «authentische» Mitarbeitende, die Lust haben, in einem kleinen Team mit breitem Aufgabenspektrum zu arbeiten. Das bedeutet, Eigenverantwortung übernehmen zu können und nicht jede Entscheidung kleinteilig abstimmen zu wollen. «Unsere Türen stehen offen, aber man muss nicht mit jedem Problem zum Chef gehen», sagt Bachmann. Diese Anforderung muss letztlich aber mit einer entsprechenden Fehler- und Feedback-Kultur einhergehen. Fehler können und dürfen passieren, wichtig ist, daraus zu lernen, wie der Ceconet-Gründer erklärt. «Und wir führen nicht patriarchisch. Rückmeldungen erfolgen bei uns in beide Richtungen.»


Im Gegenzug sollen die Mitarbeitenden bei der Gestaltung ihres Arbeitstages viel Freiheit erhalten. Zwar muss das Ceconet-Telefon für Kunden ab 8 Uhr besetzt sein, darüber hinaus sind die Rahmenbedingungen aber flexibel. Wer den Nachwuchs noch in den Kindergarten oder die Schule bringen muss, startet eben später. Wer das Arbeitspensum beispielsweise für eine parallele Ausbildung reduzieren will, für den findet sich ebenfalls eine individuelle Lösung. Wichtig sei dabei das gegenseitige Vertrauen, erklärt Peter Bachmann. Nicht nur innerhalb des Teams, sondern ebenso in Richtung der Reseller und Hersteller. Sowohl als mittelständisches Unternehmen als auch als Spezialdistributor bleibt die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ein entscheidendes Gut.

Fokussierung und Spezialisierung

Mit dieser Strategie kann sich Ceconet in einem Markt behaupten, der sich zu grossen Teilen durch Volumen und Angebotsbreite auszeichnet und dem es nicht an Wettbewerb mangelt. Die Mägenwiler setzen auf Fokussierung, Know-how und regionale Präsenz. Die überschaubare Zahl an Herstellern ist nicht etwa eine Einschränkung. Denn die rund 20 Marken lassen sich mit einem kleinen Team nur dann intensiv betreuen, wenn sich Sortiment und Zuständigkeiten nicht laufend vervielfachen. Die Grösse als KMU erlaubt wiederum kurze Entscheidungswege. Neue Produkte, Sonderfälle bei Kunden oder Veränderungen im Markt müssen nicht durch mehrere Hierarchiestufen getragen werden. Entscheidungen entstehen im direkten Austausch. Ein klarer Unterschied zu jenen Konzernstrukturen, mit denen sich die Ceconet-Gründer nie anfreunden wollten.


«Wir haben nicht das Ziel, dass wir in fünf Jahren 50 Mitarbeiter haben», bekräftigt Bachmann mit Blick in die Zukunft. «Dadurch wird man nur unflexibler.» Im Gegenteil wolle man weiterhin schlank aufgestellt bleiben, vor allem in die Digitalisierung und die IT investieren und Prozesse kontinuierlich optimieren. Das ist nicht zuletzt notwendig, um dem hohen Kostendruck und fallenden Preisen im AV-Bereich entgegenzuwirken. Hinzu kommt, dass der Distributor aktuell sein Dienstleistungsangebot ausbaut und die eigene Markenpositionierung stärkt. Ziel ist, sich auch hier unabhängiger vom Preisdruck aufzustellen. Die wirtschaftlichen Herausforderungen und Veränderungen ändern für Bachmann jedoch nichts daran, worauf es ihm bei Ceconet besonders ankommt: «Arbeit ist mehr als nur Geld. Wichtig ist, sich mit dem Unternehmen identifizieren zu können.» (sta)
Ceconet – zum Unternehmen
Ceconet mit Sitz in Mägenwil wurde 2004 gegründet und ist als Schweizer Value-Added- beziehungsweise Spezialdistributor tätig. Das Unternehmen ­beschäftigt aktuell 18 Mitarbeitende und fokussiert sich auf Lösungen in den Bereichen Professional AV, Collaboration, Netzwerk- und Glasfasertechnik. Zum Angebot gehören neben Produkten verschiedener Hersteller auch eigene ­Lösungen unter mehreren Marken.


Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Wie hiess im Märchen die Schwester von Hänsel?

GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER