Der Umgang von
Broadcom nach der Übernahme von
Vmware löst bei VMware-Kunden nicht gerade Begeisterungsstürme aus, zum Beispiel was die Preispolitik, aber auch andere Aspekte betrifft. Manche Kunden möchten sich deshalb von VMware-Lösungen abwenden und eine andere Virtualisierungsplattform einsetzen. Für solche Migrationen stand bisher das VMware Virtual Disk Development Kit zur Verfügung (VDDK). Dieses Kit, eine Zusammenstellung von Libraries und APIs, erlaubt den Zugriff auf virtuelle Disk Images und wurde ursprünglich als Backup/Recovery-Lösung angeboten. Mit seiner Funktionalität eignet es sich jedoch auch bestens für die Migration bestehender Images zu anderen Virtualisierungsanbietern.
Broadcom hat dem VDDK jetzt den Stecker gezogen: Sämtliche Download-Möglichkeiten für das Development Kit wurden von den entsprechenden Seiten entfernt. Das VMware Virtual Disk Development Kit ist damit offiziell nicht mehr verfügbar. Wer es bereits heruntergeladen hat, kann es aber nach wie vor verwenden.
Gegenüber "Techtarget" hat Broadcom bestätigt, dass der VDDK-Download nicht mehr in gewohnter Weise verfügbar ist: "Die Möglichkeit für einzelne Organisationen, VDDK herunterzuladen, hat sich kürzlich geändert. Der gemäss der SDK-Lizenz genehmigte Anwendungsfall für VDDK war schon immer die Nutzung in Backup- und Wiederherstellungslösungen unserer TAP-Partner (Technology Alliance Program), und diese Änderung bekräftigt lediglich diese Bedingungen."
Von der durch Broadcom nun bestätigten rechtlichen Situation rund um das VDDK sind insbesondere Anbieter von Migrationslösungen betroffen. Dazu gehören Redhat mit seinem Migration Toolkit, Microsoft mit Azure Migrate und Nutanix mit Move und manche mehr. Ein Anbieter solcher Tools, Shapeblue, hat in Person seines Technical Marketing Managers Marco Sinhorelli die Art und Weise des Vorgehens von Broadcom kritisiert: "Es gab keine Ankündigung seitens
Broadcom. Keine Abkündigungsmitteilung, keine Aufbewahrungsrichtlinie, kein Archiv und kein angegebenes Verfahren, wie Kunden oder kleine Anbieter die Bibliothek erhalten können." Nicole Silva, VP of Marketing beim Tool-Anbieter Platform9, spricht es noch klarer aus: "Indem Broadcom den Zugang ohne Vorwarnung öffentlich einschränkte, hat das Unternehmen viele bereits laufende Migrationsprozesse gestört. Das Signal an den Markt war eindeutig – sie beabsichtigen, ihre Kunden noch stärker an sich zu binden."
Broadcom selbst äusserte gegenüber "Techtarget": "Der Zugriff auf das VDDK ist weiterhin über ausgewählte TAP-Partner für den lizenzierten Anwendungsfall möglich, bei dem es sich seit jeher um Datensicherung und -wiederherstellung handelt. … Das VDDK ist kein Kundenanspruch. Es handelt sich um ein Software Development Kit, das einer eigenen Entwicklerlizenz unterliegt und niemals im Lieferumfang eines Broadcom-Softwarekaufs enthalten war."
(ubi)